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Das Dülmener Wildpferd


Das Dülmener-Wildpferd
Historisches
Im Merfelder Bruch, etwa 12 km westlich der Stadt Dülmen, leben - schon länger als die geschichtlichen Aufzeichnungen zurückreichen - Wildpferde. Damit sind die Dülmener die älteste Pferderasse Deutschlands. Dies bestätigen Caesars Geschichtsschreiber 55 v. Chr.
Im Jahre 1316 wurden sie erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter sicherten sich die Herren Johannes de Lette und Hermann de Merfeld neben dem Jagd- und Fischereirecht für diese Gegend auch das Recht an den wilden Pferden. Dass sich bereits im Mittelalter ein solches Recht herausgebildet hatte, lässt den Schluss zu, dass diese kleinen Pferde schon sehr viel länger in diesem Gebiet heimisch waren.
Ursprünglich war die Heimat der Wildpferde von einer Bruchlandschaft geprägt. Ackerbau und Weidewirtschaft waren in dem mehrere tausend Hektar großen Gebiet wegen des sehr hohen Grundwasserstandes unmöglich. Aufgrund der fortschreitenden Urbarmachung und Inbesitznahme des Landes wurden die letzten frei lebenden Wildpferde in das Merfelder Bruch zurückgedrängt. Sie waren unmittelbar vom Aussterben bedroht, als Herzog Alfred von Croy im Jahre 1847 den letzten Wildpferden auf seinem Grundbesitz ein Reservat einrichtete und so die Herde vor dem Untergang durch die fortschreitende Kultivierung und Aufteilung des Landes rettete. Er veranlasste um 1850, dass die letzten Wildpferde (ein kleine Herde von etwa 20 Tieren) eingefangen wurden und gab ihnen ein Gehege von zunächst 132 Morgen, das jedoch im Laufe der Zeit wegen der Vermehrung der Pferde mehrmals vergrößert wurde, um der Pferdeherde eine entsprechende Futtergrundlage zu sichern. Heute umfasst die Wildbahn im Merfelder Bruch ca. 350 ha, bietet ca. 350 Pferden Lebensraum und Nahrung. Es ist das einzige verbliebene Wildgestüt auf dem europäischen Kontinent. Im Februar 1994 wurde die Rasse Dülmener in die von der EG in Auftrag gegebene Rote Liste der bedrohten Haustierrassen - cereopa - in Paris aufgenommen.


Zielsetzung der Herzog von Croyschen Verwaltung
Oberstes Ziel ist der Naturschutz im Sinne der Arterhaltung des Dülmener Wildpferdes. Dazu gehört vor allem der Erhalt des Biotops. Eine Änderung des Lebensraumes würde langfristig durch natürliche Selektion einen anderen Pferdetypus prägen. Dabei stellt sich die Frage, warum die Arterhaltung und nicht eine Zucht der Dülmener Wildpferde angestrebt wird. Zucht bedeutet eine Selektion auf bestimmte Ziele (wie z.B. Geschwindigkeit, Zugleistung, Gang- oder Springvermögen). Zwei Punkte sind grundsätzlich mit jeder Zucht verbunden: Erstens kann nur nach Kriterien gezüchtet werden, die sicht- und messbar sind. Zweitens bedeutet Zucht auf bestimmte Ziele hin auch eine Verengung der Erbanlagen, so dass wertvolles, ursprüngliches Erbgut unwiederbringlich verloren geht. Oft bleiben Gesundheit, natürliches Instinktverhalten und weitere natürliche Verhaltensweisen dabei langfristig auf der Strecke. Daher kommt der Erhaltung der Primitivrassen (primitiv im Sinne von ursprünglich), die in ihrem natürlichen Lebensraum nach wie vor leben und der vollständigen natürlichen Selektion unterliegen, eine unschätzbare Bedeutung zu.
In der etwa 3,5 km² großen Wildpferdebahn des Merfelder Bruches leben zurzeit rund 350 Pferde. Bis auf die gelenkte Zucht sind die Pferde sich selbst überlassen und müssen mit Geburt und Krankheit alleine fertig werden. Sie folgen ihren Instinkten und müssen mit der Witterung und dem Nahrungsangebot in ihrem Biotop zu Recht kommen. Die Pferde leben, wie jedes andere Wildtier auch, unter freiem Himmel. Sie sind somit jeglichen Witterungsverhältnissen ausgesetzt. Schutz vor der Witterung finden sie zum Beispiel durch das Aufsuchen von Waldbeständen, die vor Windeinwirkung schützen. Bis auf eingezäunte Wiesenflächen, auf denen im Sommer das Heu für die Winterfütterung gewonnen wird, können die Pferde in diesem Naturschutzgebiet frei der Futtersuche nachgehen. Nur im Winter, z.B. bei Schnee, wird Heu ausgebracht. Tierärzte oder Hufschmiede haben noch zu keiner Zeit eingegriffen. Diese natürliche Selektion hat die Dülmener Wildpferde eine gesunde, genügsame und robuste Art bleiben lassen, denn nur die optimal an ihren Lebensraum angepassten Individuen konnten sich durchsetzen und weitervererben.

Verhalten
Die Pferde leben in einem lockeren Herdenverband, der sich in einzelne Familien aufgliedert. Diese Familienverbände, angeführt von der jeweils ranghöchsten Stamm-Stute, bestehen aus wenigen Stuten, deren Töchtern und aller Fohlen. Unter den Sippen besteht eine strenge Hierarchie und die Leitstute der Herde entstammt in den meisten Fällen auch der ranghöchsten Familie. Die Leitstute ist es, die den Tagesablauf der gesamten Herde bestimmt; sie wählt die Weide- und Ruheplätze, und es ist ihr Privileg, als erste die Tränke aufzusuchen. Das Leben in reinen Stutenverbänden entspricht allerdings nicht absolut den natürlichen Verhaltensweisen sondern resultiert daraus, dass die Hengstfohlen einjährig beim Wildpferdefang ausgesondert werden. Um den Fortbestand der Herde zu sichern, werden alljährlich Hengste eingesetzt. Die Stuten werden wenige Tage nach der Geburt bzw. drei Wochen später rossig. Nach elfmonatiger Tragezeit fallen die Fohlen dann in der warmen Jahreszeit mit ihrem reichen Nahrungsangebot. Die Stute fohlt innerhalb von wenigen Minuten. Einige ältere Familienmitglieder stehen dann bei der Mutterstute und sichern instinktmäßig Mutter und Fohlen vor Feinden. Bei Hitze steht die Herde dicht gedrängt im Freien, möglichst an einer windigen Stelle im Gelände, und hält sich schweifwedelnd die Fliegen fern. Dagegen suchen die Tiere bei Regen Schutz im Wald. Ansonsten wird der Wald nur ungern aufgesucht, da die Tiere instinktmäßig (Steppentier) ein Gelände mit Fluchtmöglichkeiten vorziehen. Bei Ortswechseln ziehen die Pferde in ausgetretenen Wechseln (Spurpfaden), die sich als sicher bewährt haben. Diese Pfade schlängeln sich, so dass alle Pferde aneinander vorbeischauen können und somit die Gruppe sichern.


Wildpferdefang
In der Arena des Merfelder Bruch findet alljährlich seit 1907 am letzten Samstag im Mai der traditionelle Wildpferdefang statt. Rund 20.000 Besucher strömen dann in das Naturschutzgebiet und verfolgen, wie alle Wildpferde in eine Arena getrieben und die einjährigen Hengste per Hand (!) und ohne Hilfsmittel aus der Herde gefangen werden. Danach wird die gesamte Herde wieder frei gelassen. Die Jährlingshengste werden im Anschluss an den Fang durch Versteigerung zum Kauf angeboten; einige Tiere werden verlost. Das Fangen der Jährlingshengste ist notwendig, da geschlechtsreif werdende Hengste ständig versucht sind, einem Rivalen Stuten abzujagen, um eine eigene Herde zu bilden und um damit letztlich einen neuen Lebensraum zu besiedeln. Diesem Raumanspruch kann in unserer heutigen Kulturlandschaft nicht unbegrenzt entsprochen werden. Auch dieses Reservat hat trotz seiner Größe eine flächenmäßige Begrenzung. Bei begrenztem Lebensraum und einer größeren Anzahl von geschlechtsreifen Hengsten würde es unweigerlich zu erbitterten Rangkämpfen kommen, die mit gefährlichen Verletzungen enden. Außerdem vergrößert sich eine Pferdeherde wie eine Wildtierpopulation, wenn der Mensch nicht eingreift. Wolf und Bär als auch für eine Pferdeherde dezimierend wirkende Raubtiere finden in unseren Breiten schon lange keine Lebensbedingungen mehr vor. Außerdem kann so das Problem der Inzucht reduziert werden.

Rassebeschreibung
Bei den Dülmener Wildpferden handelt es sich um ein ursprünglich in dieser Gegend entstandenes (autochthones) Vorkommen wildlebender Pferde, welche an ihren Lebensraum im Merfelder Bruch optimal angepasst sind. Rein genetisch betrachtet, ist sicherlich Hauspferdeblut in die Herde gelangt. Jedes entlaufene Pferd versucht als ausgeprägtes Herdentier sich einer Pferdeherde anzuschließen und sich in ihr zu vererben. Die Wirkung solch fremden Genmaterials wird jedoch leicht überschätzt: die Selektion merzt alle diejenigen Individuen aus, die in dem vorhandenen Lebensraum nicht lebensfähig sind. Negative genetische Einflüsse von außen konnten sich dauerhaft im Erbgut der Dülmener Pferde nicht verankern. Dülmener Wildpferde sind wegen Ihrer außerordentlichen Härte bekannt. Diese Härte resultiert aus der natürlichen Selektion und den Haltungsbedingungen. Obwohl die Wildbahn mit Weide-, Wald-, Heide und Bruchgelände den Pferden abwechslungsreiche Nahrung bietet, ist das Futterangebot nur mäßig und karg. Hinzu kommt, dass die Pferde nur in strengen Wintern Zufutter in Form von Heu und Stroh und in neuerer Zeit auch Grassilage erhalten, aber niemals Kraftfutter.

Gute Voraussetzungen haben jene Pferde, die eine robuste Gesundheit und kräftige, breite Backenzähne zur gründlichen Zerkleinerung der Nahrung besitzen. Sie müssen ein gutes, dichtes Haarkleid haben, das vor Regen und Kälte schützt. Haarwirbel an den richtigen Stellen leiten das Wasser von empfindlichen Körperpartien ab; den dicken Winterpelz verlieren sie erst im frühen Sommer. Wildpferde im zoologischen Sinne sind die Dülmener jedoch nicht, da sie alle mehr oder weniger Merkmale der Domestikation erkennen lassen. Zum einen hat es in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Vermischungen mit Kriegs- und Bauernpferden gegeben, zum anderen wurden zur Blutauffrischung wiederholt auch Hengste, nicht passender Rassen eingekreutzt; so unter anderem Welshponys der Sektion A und B. Ab 1944 setzte man jedoch nur noch Hengste ursprünglicher (primitiver) Rassen ein Mongole, Huzule, Exmoor und seit 1956 überwiegend Konikhengste aus dem Tarpanrückzüchtungsprogramm in Popielno / Polen oder aber deren Nachkommen aus der Wildbahn. Da in den vergangenen Jahren überwiegend graufalbe Hengste als Beschäler Verwendung fanden, kristallisiert sich ein klar umrissenes Zuchtziel heraus: Das neue Bild der Herde soll einer Wildpferdeherde gleichen; dass heißt es haben sich zwei Hauptfarben herausgebildet.
Man unterscheidet zwischen dem TarpanTyp ( mausgraue Falben ) und dem PrzewalskiTyp ( gelbbraune Falben), die alle den charakteristischen Aalstrich, Schulterkreuz und Wildzeichnung an den Extremitäten aufweisen. Vereinzelt sieht man auch schwarz-braune Pferde mit Mehlmaul und heller Augenbänderung, die einen gedrungenen, kräftigen Körperbau haben und die dem Exmoor-Typ entsprechen. Die intelligenten, charakterfesten und zähen Dülmener Wildpferde sind als unkomplizierte Freizeitpferde sehr beliebt. Ihr wahrer Wert liegt aber in der gesunden Genfülle, die für die Pferdezucht in den kommenden Jahrhunderten von großer Bedeutung sein könnte. Wie die meisten Robust- und Primitivpferderassen ist auch das Dülmener Wildpferd spätreif, das heißt, dass ein Dülmener nicht vor dem 3. Lebensjahr eingefahren und nicht vor dem 4. Lebensjahr in Beritt genommen werden soll. Die Erfahrung zeigt, dass sonst Schäden am Knochen- und Bewegungsapparat nahezu vorprogrammiert sind.


IG Dülmener
Lange Zeit wurde den Dülmenern nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt. Dies änderte sich erst, als sie als kostengünstige Grundlage für die sich im Aufbau befindliche Zucht des Deutschen Reitponys entdeckt wurden. Am 14. August 1988 gründete ein kleiner Kreis engagierter Züchter und Freunde des Dülmener Wildpferdes eine Interessengemeinschaft. Damit begann die Renaissance des Dülmeners außerhalb der Wildbahn. Im gleichen Jahr wurden erste Eintragungs- und Zuchtrichtlinien erarbeitet.
Im Folgenden finden sich die überarbeiteten Richtlinien:
Definition Dülmener Wildpferd: alle Kleinpferde die im Merfelder Bruch geboren werden und dort leben (Wildpferdebahn) oder aus ihr veräußert werden.
Definition Dülmener: alle Kleinpferde die außerhalb der Herde (aus Privathand) gezogen werden

Zuchtzielbeschreibung des Dülmener (Wildpferd)
Herkunft : Deutschland, Merfelder Bruch bei Dülmen
Größe : 125 cm 135 cm
Farben: Falben in allen Variationen; alle mit Wildzeichnung; weiße Abzeichen nicht erwünscht
Gebäude :
Kopf: mittelgroß; ausdrucksvoll; breite Stirn; gerader bis leicht konkaver Nasenrücken; große, intelligente Augen; kleine Ohren
Hals: genügend lang; leicht gewölbt; gut aufgesetzt; Unterhals wird toleriert
Körper: mäßig ausgebildeter Widerrist ; schräge Schulter; elastischer, gut bemuskelter Rücken; oft leicht abschüssige Kruppe; breite Brust; gute Rippenwölbung und Gurtentiefe; Rechteckformat
Fundament: trockene, markante Gelenke; stabile Röhren; nicht zu lang gefesselt; gut geformte, kleine, harte Hufe; Hinterhand gut gewinkelt; muskulös
Bewegungsablauf: taktrein; raumgreifend; elastisch; nicht zu flach; energischer Schub aus der Hinterhand
Einsatzmöglichkeiten: vielseitiges Familienpferd; gut geeignet als Kutsch-, Reit- und Distanzpferd
Besondere Merkmale: gutmütig; ausgeglichen; lernfreudig; hart; robust; ausdauernd; sehr guter Futterverwerter;

Langlebiges Ziel der Interessengemeinschaft des Dülmener Wildpferdes e.V. ist es, diese alte und einzige bodenständige Kleinpferderasse Deutschlands im eigenen Land einem möglichst großen Freundeskreis zugänglich zu machen sowie den Erhalt der Rasse als Kulturgut zu sichern. Vorrangiges Ziel der IG Dülmener ist es, den Typ unverändert beizubehalten und ein Pferd im Verdauungstyp bei mittlerer Größe (um 130 cm) zu züchten. Eigenschaften wie Robustheit, Leichtfuttrigkeit, hohe Fruchtbarkeit und Langlebigkeit sollen in der Zucht eine zentrale Rolle spielen. Hinsichtlich der Erhaltung sollen auch die Farben besondere Beachtung finden, die im Merfelder Bruch durch die über große Zeiträume hinweg praktizierte Verdrängungskreuzung mit graufalben Konikhengsten fast gänzlich verschwunden sind. In erster Linie handelt es sich dabei um den Exmoor-Typ und die schwarzbraunen Falben.

Wir danken Anna Gall für den Text und das Bildmaterial

Auch in unserer Community gibt es Dülmener-Besitzer

Der Dülmener von Userin LittleIsa, der nun im Westernbereich ausgebildet wird.

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